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 RPG: Blutiger Schnee 
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Beitrag RPG: Blutiger Schnee
Samstag, 23. Dezember 1142, im Jagschloss Versailles

Abt Sugar

An diesem Abend bereitete der Abt alles für die Christmette vor, die er am nächsten Tag zu halten gedachte, er hatte tagelang an einer Predigt für den Heiligen Abend geschrieben. Und in diesem Jahr hatte er vor, in seinem Text den Ehebruch anzuprangern, denn er war fest davon überzeugt, dass die Königin Alienor ihren königlichen Gatten, seinen Ziehsohn, den er jahrelang im Kloster erzogen hatte, mit einem anderen betrog. Bisher konnte er ihr allerdings nichts nachweisen, denn es gab in Versailles hinter den Kaminen Geheimgänge, in die er nicht hineinkam, weil er nicht wusste, wo sie sich genau befanden.
"Ich werde Euch irgendwann bei Eurer Hurerei ertappen, Königin Alienor"; murmelte er, während er den Messkelch mit Wein füllte und dann den Kelch mit den Hostien danebenstellte.
In der kleinen Kapelle duftete es nach Tannennadeln, denn gestern hatten die Diener hier zwei Weihnachtsbäume aufgestellt. Sie zu schmücken erlaubte Abt Sugar ihnen allerdings nicht, denn er hielt jede Art von Schmuck für Sünde. Nachdem er in der Kapelle alles zurechtgemacht hatte, machte er sich auf den Weg zu seinem königlichen Schützling, den er wie einen eigenen Sohn liebte, da er ihn seit seinem dritten Lebensjahr im Kloster aufgezogen hatte. König Louis war ganz und gar das Produkt seiner Erziehung, er teilte seine religiösen Ansichten in jeder Hinsicht und wollte von seiner Gattin Alienor nichts wissen.
Sugar war sehr zufrieden, als er seinen Schützling in dessen Kemenate beim Beten vor einem kleinen Altärchen vorfand. Er wollte für Frankreich einen religiösen König, der dafür sorgte, dass Sünde und Fleischeslust im Land ein Ende hatten. Ihm war es gar nicht Recht gewesen, als König Louis Vater als Gattin für seinen Sohn die schöne, selbstbewusste Alienor von Aquitanien ausgesucht hatte...seiner Meinung nach die Hure Babylons persönlich, eine Sünderin. Ihm wäre es viel lieber gewesen, wenn der König seinen Sohn mit der extrem frommen spanischen Prinzessin Maria Isabella verheiratet hätte....das wäre ein Königspaar gewesen, das Frankreich zu einer neuen Blüte des christlichen Glaubens führen könnte, ein Vorbild für das Volk. Aber Königin Alienor..sie holte Troubadoure, diese Boten der Sünde in den Palast....welch abscheuliches Treiben!
Nun blickte der Abt seinen SChützling mit ernster Miene an, und meinte dann:
"Louis...wisst Ihr, Eure Frau...sie hat Euch in fünf Jahren keinen Erben geboren, und ich vermute, dass das daran liegt, dass sie in Sünde lebt und Euch betrügt..sie holt sich regelmässig Liebhaber in ihr Bett, nur leider kann ich ihr nichts nachweisen. Ich bitte Euch, Louis, erlaubt mir, nach Rom zu schreiben und um die Annulierung Eurer Ehe zu bitten. Ich könnte Euch auch gleich eine andere Gattin vorschlagen..die fromme Maria Isabella von Spanien."
Abt Sugar gehörte zu den wenigen Menschen, die den König nicht Hoheit nennne mussten, sondern ihn bei seinem Vornamen ansprechen durften. Er war für den jungen König wirklich so etwas wie ein Vater.

Alienor

Sie war alleine in ihrer Kammer und summte ein Lied vor sich hin, das heute einer der Troubadoure im Rittersaal von Versailles gesungen hatte, dabei blickte sie in ihren Spiegel und kämmte versonnen ihr langes dunkles Haar.
Nein, sie war nicht glücklich am französischen Hof, das wurde ihr mit jedem Tag klarer. Ihr Mann war ein Frömmler, der nichts als seine Gebete im Kopf hatte, und in den fünf Jahren Ehe hatte er jeden Monat nur einmal bei ihr gelegen, und das auch erst ab dem dritten Jahr, in den ersten beiden Ehejahren hatte er sie überhaupt nicht angerührt, weil er es für eine Sünde hielt. Aber nicht er war es, dem man Vorwürfe machtte, weil sie nicht schwanger wurde, sonden ihr gab man die Schuld für ihre Kinderlosigkeit. Und in gewisser Weise war sie auch schuld daran, weil sie sich von ihrer Freundin Selma, die in einer Hütte im Wald lebte, immer Kräuter gab, die eine Empfängnis verhüteten. Sie wollte auf keinen Fall ihr ganzes Leben mit König Louis verbringen, und hoffte darauf, dass man die Ehe bald wegen der Kinderlosigkeit annulieren würde, was in Königshäusern so üblich war, wenn sich nach mehreren Jahren immer noch kein Thronfolger einstellte. LOuis Vater, LOuis der Dicke, war dreimal verheiratet gewesen, bevor er endlich den ersehnten Sohn bekommen hatte. Alienor fragte sich immer wieder, warum Töchter bei der Thronfolge keine Rolle spielten..ein Mädchen war doch nicht weniger wert.
Nein, sie wollte nicht hier in dieser Ehe gefangen sein und von Tag zu Tag unglücklicher werden und dann auch noch hilflos mitansehen musste, wie ihr Gatte dann ihre Söhne im Kloster von ABt Sugar erziehen ließ. Da hielt sie es für besser, ihm gar nicht erst Söhne zu schenken, denn sie glaubte, dass es für ein Kind die Hölle auf Erden wäre, von einem solchen religiösen FAnatiker erzogen zu werden.
Als es plötzlich an ihrer Tür klopfte, zuckte sie erschrocken zusammen. Es war bereits nach Mitternacht, wer klopfte um diese Zeit bei ihr an? War es womöglich LOuis, der ein weiteres Mal seine ehelichen Rechte einfordern wollte? Danach war ihr heute nun wirklich nicht zumute.
Nein, es war nicht Louis, es war Selma, die totenbleich und mit ernster Miene vor ihr stand. Alienor nahm ihre Freundin bei der Hand und führte sie in ihr Gemach.
"Selma...Ihr seid ja ganz bleich...was ist denn geschehen? Ich habe euch ja immer gesagt, es ist zu gefährlich, wenn Ihr alleine im Wald lebt, und ich habe Euch angeboten, hier im Palast bei mir zu leben. Eine Frau alleine im Wald, das ist lebensgefährlich, dort treibt sich so allerlei Gesindel herum."
Ihr war es ganz gleich, was Louis sagen würde, wenn sie die rothaarige Selma, die viele für eine Hexe hielte, bei ihnen einzog, sie wollte nicht, dass Selma alleine in den Wald zurückging um dort zu leben. Ihr Mann Louis reagierte jedes Mal hysterisch wenn er Selma sah, dann er griff er meistens umgehend die Flucht und ging zu ABt Sugar um mit ihm zu beten.
"Selma..bitte erzählt mir doch, was geschehen ist."

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7. Apr 2013, 09:28
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Beitrag Re: RPG: Blutiger Schnee
Selma

Erneut hatte der Täter zugeschlagen und dieses mal hatte die Tote ganz in der Nähe von Selmas kleiner Hütte gelegen.
Es war Bernadette gewesen, ein Waisenmädchen das sich seinen Lebensunterhalt damit verdient hatte, durch die Tavernen der Stadt zu ziehen und die Ware der Krämerfamilie die sich ihrer angenommen hatte, feil zu bieten. Ab und zu waren einige Männer dabei handgreiflich geworden, wenn Bernadette sich weigerte mehr als ihre Ware zum Verkauf anzubieten.
Jedes mal war es Selma gewesen die Bernadettes Wunden versorgt hatte und einmal hatte Selma dem Mädchen eine ihrer speziellen Kräutermischungen gegeben die dafür sorgten das das Kind, welches Bernadette erwartet hatte, abging.
Selma hatte damals Glück gehabt als sie Magd am königlichen Hofe wurde. Zumindest so lange bis Abt Suger mitbekommen hatte, dass Louis der junge König der Franzosen und sie eine intime Beziehung zueinander hatten.
Bernadette hingegen hatte dem Krämer zu Willen sein müssen, wann immer ihm danach gewesen war. Doch als die Folgen seiner Taten ans Tageslicht zu dringen drohten, hatte er sie zu Selma geschickt.
Leider hatte sie Bernadette nie davon überzeugen können, bei ihr zu bleiben. Der Wald bot alles was man brauchte und einen Sack Mehl, ein paar Eier oder Butter, konnte man immer gegen andere Waren tauschen.
Nun war Bernadette tot und Selma und ihr Sohn hatten das Mädchen in der Nähe des Fundortes, einfach bestattet. Selma wollte nicht das Bernadette von den wilden Tieren gewittert wurde, die dann ihren Hunger freien Lauf lassen würden. Und wenn sie daran dachte, das der Krämer mit scheinheiliger Miene ihrer Beisetzung beigewohnt hätte, dann überkam sie ein derartiger Widerwille, dass sie das Begräbnis selbst in die Hand genommen hatte.
Auf geweihte Erde legte Selma keinen Wert, die Erde war nicht mehr Wert nur weil irgendein Pfaff daher kam, ein paar Sprüche murmelte und mit seinem Weihrauch die Luft verpestete. Bernadette war eine ehrliche Seele gewesen und wenn ein Gott der ihr kurzes Leben und ihr Leid gesehen und ihr nicht geholfen hatte, auf eine solche Kleinigkeit wert legte, dann war er kein Gott sondern ein Monster!
Nachdem sie und ihr Sohn Cesar sich von Bernadette verabschiedet hatten, hatte Selma notdürftig ein paar Sachen zusammen gepackt und sich auf den Weg nach Versailles zu Alienor der jungen Königin aufgemacht.
Die beiden so ungleichen jungen Frauen verband eine eigenartige Freundschaft, von der Louis Selmas ehemaliger Liebhaber jedoch nichts wissen durfte. Schon mehrmals hatte sie daran gedacht, der Königin zu erzählen warum sie damals das Schloss verlassen hatte, doch jedes mal fehlte der Rothaarigen dazu der Mut.
Nun stand sie erneut vor Alienor, die sie trotz der späten Stunde noch empfangen hatte. Und wieder einmal hatte die junge Königin ihr angeboten hier bei ihr im Schloss zu leben.
Einen Moment saß Selma einfach nur so da und starrte auf die flackernden Flammen im Kamin. Die Wärme tat gut, ebenso wie die warme Suppe, die sie vorhin von der Köchin die sie noch von früher kannte bekommen hatte. Selma wusste das sie ihr trauen konnte und hatte ihren Sohn Cesar bei ihr gelassen. Bereits kurz nach ihrem eintreffen, war der junge auf der Bank neben dem Herd eingeschlafen und Selma konnte ohnehin besser mit Alienor reden, wenn sie allein waren.
Nach eine Weile schaute Selma ihre Freundin aus ihren blauen Augen an und sagte:“ Ganz in der Nähe meiner Hütte, wurde ein Mädchen gefunden. Ebenfalls erstochen so wie die anderen. Trotz des Schneesturms haben Cesar und ich, den Weg hierhergemacht. Alienor ich habe Angst um meinen Sohn. Dieser Verrückte treibt sich nun auch in der Nähe meiner Hütte herum und Cesar kann mit seinen Klumpfüßen nicht schnell laufen. Wenn ihn etwas passieren würde, dann….“ Selma machte eine Pause und stützte ihren Kopf in ihre Hände. Allein die Vorstellung das jemand sich an Cesar vergreifen konnte, machte sie wahnsinnig vor Angst.
Selma hob ihren Kopf wieder und sprach weiter:“ Ich würde dein Angebot hier zu bleiben nicht ausschlagen. Doch ich habe Angst, dass dieser Suger mich wieder erkennt. Alienor, was soll ich nur tun?“ fragte die Rothaarige und schaute ihre Freundin verzweifelt an.


Raymond

Seine Reise hatte wesentlich länger gedauert als der junge Kreuzritter gedacht hatte. Dieser verflixte Schneesturm hätte sich ruhig noch ein wenig Zeit lassen können.
Als er in Versailles ankam, war es schon beinah Mitternacht und er beschloss sich erst morgen bei seiner Cousine Alienor zu melden. Er freute sich darauf sie wiederzusehen, auch wenn das bedeutete das er ihren sauertöpfischen Mann an der Backe hatte. Zumindest in den Zeiten in denen sich Louis von seinen Gebeten trennen konnte.
Er hätte gut zu seiner eigenen Frau gepasst, die ebenfalls viel Zeit vor dem Altar zubrachte und sogar stets ein Büßerhemd trug.
Als man ihm sein Gemach zugewiesen hatte, begann Raymond auf seiner Laute zu spielen. Das half ihm dabei zur Ruhe zu kommen und dann auch bald Schlaf zu finden.
Schlaf der die lange Wartezeit auf Alienor verkürzen würde.

Jean Baptiste

Schweigend blickte sich der junge blonde Ritter, in dem verschneiten Burghof um. Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht. Alles war verrammelt und verriegelt und hätte die Königin ihr Kommen nicht bereits den Wachen angekündigt, so hätte man ihn und seine Gemahlin, nicht hineingelassen.

Jean Baptiste schmunzelte. Um Valerie wäre es nicht wirklich schade, wenn sie ein wenig hätte warten müssen. Vielleicht würde sie dies, von ihrem hohen Ross herunterholen und sie würde endlich begreifen, dass nicht immer alles sofort nach ihrem Willen ging.
Er schaute zu ihr hinüber. Sie bot schon einen anmutigen Anblick, wie sie so auf ihrer Araberstute saß. Den Kopf hoch erhoben, die blassen Wangen von der Kälte errötet und dem schwarzen Haar, welches ihr Gesicht unter ihrer Gugel umspielte.

"Ist Euch kalt, Mylady?" fragte der Ritter spöttisch, als er sah, wie Valerie ihre Hände tiefer in den Muff vergrub. Sie ignorierte seine Bemerkung und ließ ihren Blick, über die vom Schnee bedeckten Zinnen schweifen.
"Dann können wir ja froh sein, dass ich so einen guten Ruf habe und man uns trotz widriger Umstände, in die Burg einlassen wird. " versuchte er sie weiter zu reizen. Er wusste, dass sie bei ihrem Vater versucht hatte, zu rebellieren, als man ihr sagte, sie solle ihn ehelichen. Nun ja, er hatte immerhin eine kleine Grafschaft und ein stattliches Vermögen, durch die Ehe mit ihr erworben. Wen störte es dann schon, wenn das Eheweib meckerte, wie die Ziege eines Bauern?


Valerie

Auch wenn es nach außen hin den Anschein gab, als würde sie die Spitze Zunge ihres ritterlichen Gemahls nicht stören, so ärgerte sie sich tief in ihrem Innersten schon. Doch es lag nicht allein an der Tatsache, dass Jean Baptiste sie versuchte zu reizen. Nein, erst vorhin als sie auf den Weg zur Burg gewesen waren, hatten sie eine Bauersfamilie passiert. Jean hatte es sich nicht nehmen lassen, ihr unter die Nase zu reiben, dass eine ganz gewöhnliche Bauersfrau es schaffte, ihrem Manne Kinder zu schenken, während sie noch dazu den ganzen Tag lang schwere körperliche Anstrengungen auf sich nehmen musste.
Mehr als einmal hatte er ihr gesagt, es sei ihre Schuld, dass selbst nach drei Jahren Ehe, noch immer kein Erbe unterwegs war. Die Tatsache das er so ziemlich jedem Rock hinterher stieg, machte die ganze Situation ebenfalls nicht leichter.
Noch immer erfüllte es sie mit Zorn, wenn sie daran dachte wie er im Frühjahr stolz erhobenen Hauptes in ihr Schlafgemach gekommen war und ihr erzählt hatte, dass die junge Küchenmagd soeben, seinen Sohn geboren hatte.
Manchmal hatte sie das Gefühl, es gäbe nur einen Menschen außer sich, den Jean Baptiste wirklich liebte. Seine Schwester Cecilie.
Valerie konnte sie nicht leiden. Sie war tumb und albern. Stets spielte sie mit ihren Hunden und bemühte sich, es stets allen recht zu machen. Es war eine Wohltat gewesen, Cecilie ihren Geburtstag im vergangenen Juni zu verderben, in dem sie ihren Lieblingshund vergiftet hatte.
" Ich dachte man hätte dich eingeladen. Aber möglicherweise ist dein Ruf dir derart vorausgeeilt, das unser frommer König, nichts mit dir zu tun haben will."
Nun warf sie einen verächtlichen Blick auf Jean Baptiste und wünschte sich, er würde einfach tot vom Pferd fallen.

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7. Apr 2013, 14:49
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Beitrag Re: RPG: Blutiger Schnee
Alienor

Sie hatte ihre Freundin Selma rasch hereingelassen, damit niemand sie auf dem Gang sah, denn sie wusste, dass Abt Sugar manchmal ABends hier seine Runde machte, und seine Umgebung mit Argusaugen überwachte.
"Wir verkleiden dich einfach, Selma, das ist die beste Lösung. Deine auffälligen roten Haare verstecken wir unter einem Kopftuch, und dein Gesicht werden wir mit etwas Asche bestreichen..dann hält Sugar dich für eine der Küchenmägde und wird dich nicht weiter beachten, und auch deinem Sohn wird er keine Beachtung schenken, denn was scheren ihn schon die Kinder der Küchenmädchen? Ja, das wird funktionieren..natürlich nur, wenn du nichts dagegen hast."
Sie war entsetzt, dass es schon wieder zu einem Mord gekommen war, nahm das denn niemals ein Ende?
"In den Wald darfst du auch keinen Fall zurück, nicht solange dort ein Verrückter sein Unwesen treibt. Und gerade für Cesar wäre es nicht gut, denn du weisst ja wie Kinder sind, sie streifen gerne im WAld herum, und gerade weil er nicht so schnell laufen kann, geriete er dabei rasch in Gefahr. Hier in Versailles seid ihr beide sicher. Sag, wo ist Cesar eigentlich?"
Alienor kannt eihre Freundin gut genug, um zu wissen, dass Selma ihren Sohn nicht alleine im Wald lassen würde. Alienor war Cesars Patin, wovon ihr streng religiöser Ehemann nichts wusste, Louis durfte auch nicht von ihrem Kontakt mit Selma, die er als Hexe verteufelte, wissen. Oft fragte Alienor sich, warum ihr Mann so hysterisch auf Selma reagierte, warum er sie so fürchtete. Und sie fragte sich auch, warum Selma so ein Geheimnis daraus machte, wer der Vater des Jungen war. Womöglich einer ihrer Ritter, der nicht den Mut gehabt hatte, zu seinem Kind zu stehen und Selma zu heiraten? Alienor half ihrer Freundin wo sie nur konnte, und gerade jetzt im Winter fand sie, war es nicht gut, wenn sie mit dem Kind im Wald lebte.
Und voller Grauen fragte sie sich, wer dieser Verrückte sein mochte, der da im Wald sein Unwesen treiben mochte. Nur Selma konnte sie ihre schlimmste Vermutung anvertrauen, denn so etwas Schlimmes konnte sie sonst nirgends offen aussprechen.
"Weisst du Selma...ich...ich...ich habe Angst, dass es Louis sein könnte, der die Frauen ermordet hat. Du weisst ja, dass mein Gatte Frauen als Ausgeburt der Hölle, als ständige Versuchung, als Sünde betrachtet..ja, ihm würde ich so eine Tat zutrauen...er ist mir immer fremd geblieben. Oft geißelt er sich, und betet stundenlang, und dann beginne ich an seinem Verstand zu zweifeln."
Einen König als Mörder, das erschien den meisten unvorstellbar, aber sie war sich sicher, dass Selma sie verstehen würde, sie würde ihre Vermutung bestimmt nicht absurd finden.
Ja, er konnte der Täter sein, das musste sie sich immer wieder klarmachen, und sie war nicht bereit, ihren Gatten in diesem Fall zu decken...wenn er diese Taten tatsächlich begangen hatte, musste sie etwas dagegen tun und ihn dingfest machen. Oder war es vielleicht Sugar gewesen? Auch das hielt sie durchaus für möglich.
Sie vermisste ihren Cousin Raymond, in den sie heimlich verliebt war sehr, dennoch war sie in diesem Moment froh, dass er nicht in Versailles war, und ihm nichts zustoßen konte. Sie fühlte sich ihm besonders verbunden, weil er ihr Schicksal teilte, und mit einer frömmlersischen, sauertöpfigen Frau verheiratet war. Sie waren beide in einer unglücklichen Ehe gefangen, und oft fragte sich Alienor, warum man nicht Raymonds Frau Baptista, die geanu wie Louis keine anderen Interssen als ihren Glauben zu haben schien, verheiratet hatte. Die beiden hätten perfekt zusammengepasst, ebenso wie sie und Raymond sicherlich das perfekte Paar abgeben würden. Dass er ihr Cousin war, das war kein Hindernis, denn es kam häufiger vor, dass man Cousins und Cousinen miteinander verheiratete. Sie ahnte nicht, dass Raymond bereits in Versailles war, denn sie hatte nicht gewusst, dass er herkommen würde.

Die anderen folgen am Sonntag

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11. Apr 2013, 16:08
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König Louis VII

Er hatte sich gerade in sein Schreibzimmer zurückgezogen um im Schein einer Kerze noch ein wenig in der Bibel zu lesen. Glaube bedeutete ihm alles, und er hätte sein Leben dafür gegeben, als Mönch in einem Kloster zu leben, so wie es ursprünglich von seinem Vater für ihn vorgesehen gewesen war. Er war nur deswegen jetzt König, weil sein älterer Bruder Gaston nach einem Sturz vom Pferd an inneren Blutungen gestorben war. Das Leben als König, das war nichts für ihn, davon war er felsenfest überzeugt, und so flüchtete er sich in jeder freien Minute, in denen er sich nicht mit Staatsgeschäften befassen musste, in seine Religion. Er hielt sich gerne in seinem Schreibzimmer auf, weil er genau wusste, dass seine Frau Alienor niemals dorthin kam und jede Begegnung mit ihm mied, genauso wie er ihr ständig aus dem Weg zu gehen versuchte. Nein, hier bestand nicht die Gefahr, dass sie ihm über den Weg lief, hier hatte er seine Ruhe. Der König las gerade die Stelle, an der Moses die Hebräer vierzig Jahre lang durch die Wüste führte, eine seiner Lieblingsstellen, weil er sich ab und an selbst wie Moses fühlte..ein König, der sein Volk zurück zum wahren Glauben führen wollte. Erst neulich hatte er seine Frau Alienor scharf zurechtgewiesen, als sie ihm gesagt hatte, dass das was in der Bibel stünde albern sei, dass Moses gewiss die Hebräer nicht vierzig Jahre lang durch die Wüste geführt habe, dass so etwas absolut unmöglich sei. Doch er glaubte felsenfest daran, und es ärgerte ihn, wenn Alienor sagte, viele GEschichten in der Bibel seien nichts als alberne Märchen.
Zwischendurch blickte er von seiner Lektüre auf, schaute nachdenklich aus dem Fenster und trank einen Schluck Wein. Dann sah er dass neue Gäste eingetroffen waren...der Ritter Jean-Baptiste mit seiner Frau Valerie. Louis kannte den Ritter, weil er bereits mehrmals am Hof gewesen war, und er war der Meinung, dass Jean-Baptiste Beaumont sich durchaus als zuverlässig erweisen könnte, genau der richtige Mann für einen Auftrag besonderer Art.
"Schickt Beaumont zu mir, und seine FRau führt Ihr in eine der Frauenkemenaten, und zündet ihr ein Feuer im Kamin an."
Ja, er brauchte dringend jemanden, der seine Frau heimlich überwachte und ihm dann Bericht erstattete, und dieser junge Ritter schien ihm dafür genau der Richtige zu sein...und da er der König war, würde Jean-Baptiste Beaumont ihm auch nicht widersprechen können.

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17. Apr 2013, 20:17
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Selma

Als Alienor sagte das sie Selma und ihren Sohn bei sich im Schloss haben wollte, empfand die rothaarige junge Frau eine unsagbare Erleichterung, und am liebsten wäre sie ihrer Freundin um den Hals gefallen. Doch Alienor war Königin und sie war schmutzig, weil sie direkt nachdem sie Bernadette bestattet hatten, schnell mit Cesar verschwunden war. Doch dieser Weg war ihr sicherer erschienen, nach dem man eine Leiche ganz in ihrer Nähe entdeckt hatte.
„Ich habe ganz und gar nichts dagegen hier zu bleiben,“ erwiderte Selma schnell und wusste nun das es die richtige Entscheidung gewesen war, mit Cesar hier her zu kommen. Auch wenn sie mit diesem Ort nicht nur schöne Erinnerungen verband.
„Cesar ist in der Küche. Ich habe ihn bei Emmy gelassen, sie hat sich schon früher immer um mein Wohl gekümmert. „ antwortete sie und lächelte kurz. Nein, nicht alle Erinnerungen an Versailles waren schlecht.
Dann sagte Alienor etwas, dass Selma vollkommen überraschte. Mit großen Augen schaute sie ihre Freundin an, von der sie zwar wusste das sie eine unglückliche Ehe führte, doch das sie und Louis sich derart fremd waren, verblüffte sogar sie.
Als Alienor sagte das Louis sich selbst stundenlang geißeln würde, verzog Selma das Gesicht. Damals als sie eine kurze Liebelei miteinander hatten, war es noch nicht der Fall gewesen. Doch sie konnte sich nicht vorstellen das er zu einem Mord fähig war.
„ Also wenn er sich sogar selbst züchtigt, damit seine Seele rein wird, dann würde er doch sicherlich nicht töten. Ich meine, auch wenn er eine schlechte Meinung von uns Frauen hat, aber wir sind ebenfalls von Gott geschaffen worden um zusammen mit den Männern zu leben. Louis müsste doch wissen das er dann der Kirchenlehre nach, für immer verdammt wäre. „ gab Selma zu bedenken und hoffte das Louis sich nicht so verändert hatte, dass er zu solchen Taten in der Lage wäre.
„ Aber ich kann verstehen das du an seinem Verstand zweifelst. Ich kann auch nicht verstehen wie man sich wegen falscher Ideale so etwas antun kann.“ Fuhr die Rothaarige fort. Dann hatte sie eine Idee:“ Vielleicht könnten wir uns ja beide verkleiden und Louis heimlich beschatten, wenn er das nächste Mal das Schloss verlässt. Dann kannst du dir ganz sicher sein, ob er für diese Taten verantwortlich ist oder nicht.“

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30. Apr 2013, 15:13
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